APT IP Codec – der ISDN-Ersatz!?

Ein wenig „Tech-Talk“ gefällig!? Das dürfte besonders Sprecher mit eigener Technik und Tonstudiokollegen interessieren. Auf Initiative von  Holger Meyer (ams – Radio und MediaSolutions) und der Sprecherin Christina Puciata  (1. Vorsitzende VDS) beteiligen wir uns als Vorreiter-Tonstudio aktiv an der Verbreitung eines neuen und besonders zuverlässigen Standards für IP-Audioübertragungen.
Nachdem der klassische ISDN-Anschluss nun so langsam zur aussterbenden Spezies gehört, bleiben viele Studios und Sprecher weiterhin auf der Suche nach einer einheitlichen und stabilen Lösung für professionelle Audioübertragungen im High-Quality-Bereich. Diverse Anbieter offerieren zwar seit geraumer Zeit zahlreiche Lösungen und ISDN-Alternativen auf IP-Basis, jedoch ist der Markt weiterhin unübersichtlich und ohne jeglichen Standard. Hinzu kommt, dass viele IP-Lösungen mit Instabilitäten zu kämpfen haben und akustische Aussetzer in der Übertragung zur Tagesordnung gehören. In unserem Studioalltag konnten wir viele Software- und Hardwarelösungen bereits selbst testen. Bezüglich Stabilität und Zuverlässigkeit konnte uns bisher nur die SIP-Übertragung mit dem Mayah Centauri 3001 III überzeugen. Hier waren sogar Übertragungen im unkomprimierten PCM Format ohne jegliche Aussetzer möglich. Der Verbreitungsgrad dieser Technik ist jedoch relativ gering.
Browserbasierte Lösungen wie Sessionlink Pro und  Source Connect Now, die zum Teil sogar die gleichzeitige Übertragung von Video ermöglichen, bestechen zwar durch eine hervorragende Benutzeroberfläche und Funktionsvielfalt, konnten aber im Praxiseinsatz in Sachen Übertragungsstabilität nicht überzeugen. Oft musste die Sprachaufnahme als Backup beim Sprecher aufgezeichnet und im Nachhinein zur endgültigen Bearbeitung angefordert werden. Der Zeitaufwand war für uns als Studio im Endeffekt also doppelt so hoch.
Abhilfe könnte nun ein eigentlich für Radio-IP-Live-Übertragungen konzipiertes Hardwaregerät von Worldcast Systems schaffen. Der APT IP Codec mit SureStream. Rein äußerlich betrachtet, erinnert hier vieles an die schönen, guten „ISDN-Kisten“. Aber im Inneren arbeitet hier alles mit neuester IP-Technik. Der besondere Clou und Vorteil gegenüber anderen IP-Übertragungen? Es wird mit zwei leicht zeitversetzten Streams und einem Kontrollstream (Anm.: Der Kontrollstream wir nicht übertragen. Dieser ist lediglich im Codec angelegt und für Visualisierung und Abgleich der Übertragungsstreams zuständig) gearbeitet. Sollte es bei einem Stream zu einem Paketverlust (normalerweise als akustischer Aussetzer hörbar) kommen, wird dieser mit dem leicht zeitversetzten Stream abgeglichen und das verlorene Paket vom zweiten Stream aufgefangen. Dieses „Sicherheitsnetz“ reduziert das Risiko von akustischen Aussetzern auf ein Minimum. Erste Praxistests waren komplett ohne Dropouts und deshalb sehr vielversprechend. Selbst die Übertragung von Linear PCM ist mit dem APT bei entsprechender IP-Bandbreite möglich.
Die ersten 25 Studios und Sprecher/innen in Deutschland (Stand: 09.08.2018) sind bereits mit APT IP Codecs ausgestattet. Die technischen Voraussetzungen sind denkbar einfach: eine solide DSL-Bandbreite (mindestens 3 MBit Up- bzw. Download), eine LAN-Verbindung zum APT-IP-Codec, einige wenige Voreinstellungen am Router und nach Möglichkeit eine feste IP-Adresse oder DYN-DNS (erforderlich für eine regelmäßige Anwahl durch ein Studio). Die browserbasierte Benutzeroberfläche mag zwar auf den ersten Blick etwas erschlagend wirken – da diese bisher nicht für den Einsatzzweck Audioübertragungen zwischen Studio und Sprecher vorgesehen war – muss aber gerade beim „Sprecher-Setup“ (einmal eingerichtet) nicht mehr angefasst werden. Lediglich die Stromverbindung herstellen. Das war’s. Die Ein- und Abwahl erfolgt durch die Studios.
Bei aller Euphorie und Zuversicht, die aktuell unter allen Nutzern herrscht, bleibt natürlich noch eine längere Praxis- und Testphase abzuwarten. Genau wie bei anderen IP-Lösungen auch, zeigen sich die Stärken und Schwächen erst im Regelbetrieb. Diesbezüglich werden wir euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten.
Zum Abschluss sei noch darauf hinweisen, dass dieser Beitrag in keinster Weise von Worldcast Systems gesponsort wurde. Da wir in unserem Arbeitsalltag fast täglich mit Audioübertragungen zu tun haben, sind wir selbst sehr an einer stabilen, zuverlässigen und zukunftssicheren Lösung interessiert. Außerdem kann sich ein neuer Standard nur dann entwickeln, wenn einer den Anfang macht und nach Möglichkeit viele dem Aufruf folgen. Informiert euch und testet selbst!
Bei Interesse stehen Holger Meyer von AMS, Christina Puciata und wir (sounds fresh) euch gerne als Ansprechpartner zur Verfügung. Für Fragen zu technischen Details und Preisen wendet euch bitte direkt an Veit Wegmann-Kamecke von Medialantic (www.medialantic.com). Es handelt sich dabei um den deutschen Vertrieb von Worldcast Systems.

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